Die 10 größten flow-Irrtümer

Vor zehn Jahren stolperte ich über das flow-Phänomen; als Wissenschaftler. Nie mehr hat es mich losgelassen, aber oft frustriert. Wir alle kennen dieses Erleben, ab und zu — doch wie kommen wir wieder rein? Mein flow blieb lange dem Zufall überlassen. Recherchen ergaben Widersprüche. Das flow-Gequatsche nervte mich. Ich ließ mich in die Irre führen. Ihnen will ich das ersparen. 

Irrtum 1: flow bedeutet für jeden was anderes

Wenn jeder etwas anderes unter "flow" verstehen würde, dann könnten wir uns darüber nicht unterhalten. flow wird von allen Menschen ähnlich erlebt, sonst gäbe es keinen gemeinsamen Nenner und erst recht keinen Forschungszweig dazu. Wegen der inflationären Verwendung verschwimmt allerdings die Bedeutung des Wortes "flow". Doch sie lässt sich bestimmen: Der Duden nennt drei Bedeutungen — ich unterscheide vier. Die vier flow-Arten spielen zusammen, doch direkt glücklich macht nur eine: Nämlich das flow-Erlebnis. 

Irrtum 2: flow ist eine Emotion

Oft sprechen wir vom „flow-Gefühl“. Genau betrachtet ist flow aber keine Emotion wie Angst oder Freude, sondern ein umfassender Zustand des Bewusstseins, in dem Sie

  • ganz im Moment aufgehen und völlige Klarheit erleben
  • frei und spontan handeln, 
  • sich in Kontakt und als wirkungsvoll erfahren. 

Ohne Zweifel löst das positive Emotionen aus! Aber Glücksgefühle sind nicht das flow-Erlebnis selbst, sondern eine willkommene Begleiterscheinung. Der flow-Zustand, der direkt glücklich macht, ist mehr als eine Emotion. 

Irrtum 3: flow liegt im Außen

Im Anschluss an die Forschungslinie von Mihály Csíkszentmihályi ist mit flow ein Erlebnis gemeint. Erlebnisse finden nicht draußen in der Umwelt statt, sondern geschehen per Definition "in uns". Erlebnisse sind subjektiv. Der Ursprung des flow-Erlebens liegt demnach in unserem Innen. Äußere Faktoren sind wichtige Stellschrauben, aber sie sind nicht das flow-Erlebnis.

Irrtum 4: flow gibt es nur bei Tätigkeit X

Die Behauptung, dass flow-Erlebnisse nur bei speziellen Tätigkeiten auftreten, ist nicht haltbar. flow kann prinzipiell bei jeder Betätigung erlebt werden. Doch in der Tat scheint es Aktivitäten zu geben, die flow begünstigen: so genannte flow-Aktivitäten. 

Irrtum 5: flow passiert im Kopf

Vor allem die Leistungspsychologie begreift flow als mentales Phänomen und verortet es "im Kopf". Diese Sichtweise ist einseitig und wird dem Kenntnisstand der Bewusstseinsforschung nicht gerecht. Um flow zu verstehen und zu beeinflussen, müssen wir neben der mentalen Ebene auch die körperliche und spirituelle Ebene berücksichtigen. Das sehen sogar flow-Forscher an Universitäten ein, zum Beispiel Falko Rheinberg.  

Irrtum 6: flow ist Profis vorbehalten

flow ist keiner Elite vorbehalten, sondern radikal demokratisch. Jeder kann flow erleben, vom Kind bis zum Greis. Ein natürlicher Bewusstseinszustand braucht kein besonderes Fertigkeitsniveau. Zugleich wissen wir, dass hohe Kompetenz in einer Tätigkeit die Häufigkeit und Intensität von flow-Erlebnissen während dieser Tätigkeit erhöhen kann. Davon bleibt jedoch unberührt, dass jeder zum flow-Profi werden kann.

Irrtum 7: flow ist individuell

Hier müssen wir genau hinsehen: "in-dividuell" bedeutet auch "un-teilbar". Aber flow trennt nicht, sondern verbindet. flow-Erlebnisse lassen sich sehr wohl miteinander teilen — vor allem dann, wenn wir auf ähnlicher Wellenlänge schwingen. Victor Turner spricht von "shared flow" oder Communitas. Das Individuelle an Ihrem flow zeigt sich an der einzigartigen Kombination und Ausprägung der Bedingungen, die Ihr flow-Erleben braucht. 

Irrtum 8: Im flow bringen Sie maximale Leistung

Sagt das Ihr Chef? — Sorry, das stimmt so nicht! Im flow erbringen Sie nicht maximale, sondern optimale Leistung. Im flow arbeiten wir freudevoll und mühelos; an der Leitungsgrenze brennen wir bald aus. Nach einer Höchstleistung sind Sie erschöpft und brauchen Ruhe. Nach einem flow-Erlebnis sind Sie erfüllt und wollen mehr. Interessanterweise belegt die Neurowissenschaft, dass im flow die Wahrscheinlichkeit von Leistungsspitzen zunimmt und Problemlösen leichter gelingt. 

Irrtum 9: flow ist Meditation

Nein! — Weil flow ist ein Bewusstseinszustand und Meditation ist eine Praxis, die Bewusstseinszustände trainiert. Zwischen meditativen Erfahrungen und flow-Erlebnissen gibt es Überschneidungen, aber auch Unterschiede. Einer besteht darin, dass man bei einer Meditation kaum körperlich aktiv ist und die Aufmerksamkeit nach innen lenkt, während flow-Erleben Aktivität erfordert und die Aufmerksamkeit sowohl die Umwelt als auch die Innenwelt umfasst.

Irrtum 10: flow kann man kaufen

Ein Wunschtraum... und ein schlechtes Versprechen. Das flow-Erlebnis ist kein materielles Produkt. Bewusstseinszustände lassen sich weder in der Fabrik produzieren noch im Supermarkt kaufen. Manche nehmen Drogen, um kurzzeitig ihr Bewusstsein zu erweitern. Aber die Droge ist nicht das Erlebnis und keine Substanz garantiert einen „guten Trip“. 

Kein Irrtum: flow-Bedingungen kann man schaffen

Was können wir dann tun, um dem flow die Tür zu öffnen? Der Schlüssel zum "Geheimnis des Glücks" — so nennt es die flow-Psychologie — liegt in seinen inneren und äußeren Bedingungen. flow-Erlebnisse lassen sich nicht herstellen, aber Bedingungen lassen sich schaffen. Optimale Bedingungen maximieren die Wahrscheinlichkeit für flow. 

flow in concept hilft dabei. Zum Beispiel mit dem flow4x4 Modell, das keine Bedingung auslässt.